Bekanntes währt am längsten

Seit vielen Jahren reise ich Jahr für Jahr an denselben Ort. Ich weiss, das klingt furchtbar langweilig. Wenn mich jemand fragt, wohin es geht, höre ich bei meiner Antwort oft, «ist dir das nicht zu langweilig, ich könnte das nicht». Zum Glück muss ja niemand das Gleiche tun wie ich und trotzdem komme ich manchmal in einen Erklärungsmodus.

Sicher gibt es viele schöne und spannende Orte auf der Welt und ja, ich möchte auch einmal andere Orte der Welt sehen und trotzdem finde ich im Moment am meisten Entspannung im Bekannten.

Nach vielen Wochen anstrengender Kopfarbeit, zu wissen, es geht in den Urlaub und man weiss wohin, ist ein grossartiges Gefühl. Sich nicht den Kopf zerbrechen zu müssen, was man alles sehen muss, wo man an welchem Tag übernachtet, welche Ausflüge man machen und welches Auto man buchen soll, damit man auch an vermeintlich freien Tagen etwas unternehmen kann.

Oft habe ich das Gefühl, einen Tag auf der Poolliege zu verbringen, ist in den Augen mancher ein verlorener Tag. Nachdem bereits im Alltag alles organisiert und strukturiert sein will, geniesse ich es einmal ein wenig ausgebremst zu sein. Ja, wenn man auch in den Tag hineinleben kann. Besuche bei Freunden, evtl. fährt man anschliessend noch weg oder man sitzt den ganzen Abend zusammen und geniesst das nichts tun.

Vielleicht habe ich am Ende das eine oder andere nicht gesehen, aber ich hatte Urlaub. Ich konnte entspannen, musste nichts und konnte trotzdem alles. Das Gefühl frei zu sein, tun und lassen zu können, was einem gerade recht ist, gibt einem in der heutigen Zeit die Entschleunigung, die man hin und wieder braucht und sucht.